Die Maschine mit dem “Bing”
Über zu wenige Neuigkeiten bzgl. Suchmaschinen kann man sich dieser Tage wirklich nicht beschweren.
Nach dem Start der Antwortmaschine Wolfram Alpha vor wenigen Wochen (wir berichteten), ist nun Microsoft mit einer “Entscheidungsmaschine” an der Reihe.
Die Spekulationen haben seit gestern ein Ende. Auf der diesjährigen D: All Things Digital Konferenz des Wall Street Journals wurde das neueste Kind von Steve Ballmer der Öffentlichkeit vorgestellt. Die neue Suchmaschine hört auf den Namen “BING” (nein, nicht “Kumo” wie im Vorfeld spekuliert) und wird ab kommenden Mittwoch die wenig von Erfolg verwöhnte Live Search ablösen (welche vor Jahren die ebenso wenig erfolgreiche MSN Search ersetzte).
Und einen Erfolg hat Microsoft bitter nötig. “Live” konnte sich weder gegen Google noch Yahoo durchsetzen. Bei mageren 8% Marktanteil (in den USA) lag diese in den letzten Monaten – Tendenz fallend.
Und weil man wenig zu verlieren hat, wirft man nun alles in die Waagschale und versucht mit einem neuen Namen und einem gigantischen 100 Mio. Dollar Marketing-Budget (mehr als das Doppelte was Google an Werbemitteln pro Jahr ausgibt) das Ruder doch noch herumzureißen. Ob es diesmal gelingt? Bei einem weiteren Fehlschlag dürfte es langsam eng werden für den Software-Riesen. Ist dann der Zug abgefahren? Steve Ballmer’s verbleibendes Ass im Ärmel wäre immer noch die Übernahme von Yahoo. Auf diese Weise könnte man mit einem Schlag knapp 30% Marktanteil erhaschen. Zumindest Yahoo scheint (nach letzten Äußerungen der neuen Chefin Carol Bartz) nach wie vor an einer Zusammenarbeit mit Microsoft interessiert zu sein … wenn die “Rahmenbedingungen” stimmen.
Inzwischen hat Google eine dermaßen gute Ruf, dass alleine das Logo des Suchmaschinen-Primus reicht, den Usern das Gefühl zu geben gute Ergebnisse zu erhalten.
Und was kann die neue Suchmaschine?
Laut Microsoft soll Bing dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen – darum auch “Entscheidungsmaschine”. Dabei konzentriert man sich auf vier Bereiche: Kaufentscheidungen, Reiseplanung, Gesundheit und das Finden von lokalen Geschäften.
Laut aktueller Studien werden rund 30% aller Suchprozesse abgebrochen, da keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden. Etwa zwei Drittel aller Suchanfragen werden durch wiederholte Eingabe verfeinert. Und genau hier möchte Microsoft ansetzen.
Mit einer Vielzahl von zusätzlichen Infos und Funktionen welche direkt in die Ergebnisliste eingebunden werden, will Microsoft die User VOR dem Besuch einer Website möglichst genau über die Zielseite informieren bzw. Dinge die häufig benötigt werden direkt über Bing bereitstellen (um unnötige Klicks zu vermeiden).
Bei Reise-Suchen werden Informationen des Portals Farecast eingeblendet (einem Unternehmen das Microsoft vor einiger Zeit – wie könnte es anders sein – aufgekauft hat).
Videos beispielsweise lassen sich über eine Vorschau-Funktion direkt in der Ergebnisliste abspielen.
Und bei Produkt-Suchen werden neben einem Mix aus professionellen Reviews und Kundenbewertungen auch Infos zu Preisen und Bezugsquellen eingebunden. Hier greift man auf die Daten von Ciao zurück … einem großen Shopping-Portal das ebenfalls von Microsoft geschluckt wurde.
Microsoft verspricht recht viel mit “Bing”. Und genau das stimmt mich wenig zuversichtlich was die Erfolgsaussichten angeht. Mir kommt alles etwas überladen und zu vollgepackt vor. Gut möglich, dass die vielen Möglichkeiten die Benutzer schlicht überfordern. Google’s Website sieht nicht zum Spaß so minimalistisch aus! Ich will aber keine voreiligen Schlüsse ziehen… mal sehen wie sich die neue Suchmaschine im Praxistest schlägt.
Am 3. Juni startet die “Entscheidungsmaschine” – weltweit.
(Update 01.06. – Die Suche auf www.Bing.com ist nun “online”)
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Peter Wetzlmaier, am 29.05.09
Ich bin nachhaltig beeindruckt. Die Ergebnisse sind sehr gut, vor allem bei der Bildersuche 1A.
Ja und, was sagt der Meister zum neuen Wunderding? Schließlich hat dieser Blog ja auch schon Stammleser!
Dem “Meister” gefallen einige Ergebnisse erst mal recht und andere wieder weniger. Mal so, mal so. Für ein abschließendes Urteil ist es aber noch zu früh. Vor allem auch, da den europäischen Versionen gewisse Features fehlen. AT, DE, … das sind “Sparversionen” von Bing. Den vollen Funktionsumfang erhält man nur mit der US-Version (oben rechts auf USA wechseln). In der österreichischen Version gibt’s z.B. noch überhaupt keine Maps-Einträge (der Reiter fehlt). Sucht man nach “Hotel Salzburg” werden nur Betriebe in Freilassing angezeigt.
Und was mich an der Vollversion extrem stört sind die Details die eingeblendet werden, wenn man den Mauszeiger über den orangen Punkt (rechts) bewegt. Warum muss ich überhaupt erst die Maus dorthin bewegen? Das finde ich persönlich ziemlich idiotisch. Warum werden diese Infos (zumindest die “Sitelinks”) nicht gleich direkt im Ergebnis angezeigt? Solche “Spielereien” sind typisch für Microsoft… das ist so Mr. Steve Ballmer oder noch besser “Windows Vista-like”. Die Sitelinks und Zusatzinfos werden wie es scheint nur bei großen Websites direkt im Ergebnis eingeblendet. Vielleicht wird das mit der Zeit besser.
Bing schickt schon ganz ordentlich Traffic; jedenfalls mehr, als Wolfram Alpha, Cuil und Klassiker wie Altavista zusammen.