Wolfram Alpha

Es tut sich wieder was. Seit gut zwei Wochen ist (wieder mal) ein neuer „Google Killer” online.

WOLFRAM ALPHA heißt das gute Stück. Benannt nach dessen Vater: dem Software- und Physik-Genie Stephen Wolfram. Er galt früher als Wunderkind und machte bereits mit 20 Jahren seinen Doktor in theoretischer Physik am California Institute of Technology. Von ihm stammt auch die Software „Mathematica“.

Jahrelang entwickelten Wolfram und sein Team an der „Wissensmaschine” (computational knowledge engine). Der Schöpfer über das Projekt: „Ein neues Paradigma für den Gebrauch von Computern und den des Web” – klingt erst mal vielversprechend. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich die neue Engine gegen Google durchsetzten bzw. neben dem allmächtigen Marktführer bestehen kann. Es wäre nicht die erste Suchmaschine die mit vollmundigen Ankündigungen startet, um nur wenig später wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Die letzten aktuellen Beispiele hierfür wären „Cuil” (von Ex-Googlern ins Leben gerufen) und „Wikia” (vom Wikipedia-Gründer Jimmy Wales). Keine der beiden Suchmaschinen hat es auch nur annähernd geschafft Google Marktanteile abzujagen (ganz im Gegenteil – Google wächst immer weiter und hat mittlerweile einen internationalen Marktanteil von über 81%). Wikia wurde Ende April 2009 eingestellt.

Wolfram Alpha besteht aus drei Teilen: Einer von den Entwicklern von Hand gepflegten Datenbank, einer Ansammlung von Algorithmen und einem Übersetzer der die Eingaben in Rechenaufgaben übersetzt, die von den Algorithmen unter Zugriff auf die Datenbasis gelöst werden. Informationen wie Aktienkurse und Wetter werden von ausgewählten Quellen live eingebunden.

Und hier besteht auch der fundamentale Unterschied zu traditionellen Suchmaschinen. Informationen werden nicht durch sog. Webcrawler gesammelt, in Datenzentren gespeichert („indexiert”) und dann nach Relevanz geordneten in Listen wieder ausgegeben.

Im Prinzip sind dies nur Links zu Dokumenten auf denen man Antworten finden KÖNNTE… Wolfram Alpha hingegen stellt (in Echtzeit) das konkrete FAKTUM zusammen bzw. „berechnet” die Antworten – und das über eine Vielzahl von Themengebieten.

Bei den enthaltenen Links im Ergebnis handelt es sich höchstens um Quellenangaben. Für Antworten muss man die Website also nicht verlassen.

Ein paar Beispiele:

germany railway lenght” spuckt die Gesamtlänger der Eisenbahnlinien in Deutschland aus.

lowest point of austria” ergibt: Neusiedler See, 115m

Blackberry” liefert genaue Angaben zur Frucht (Zusammensetzung, Vitamine, Dichte, usw…)

1 cheeseburger + 2 oranges” = exakte Angaben über den kombinierten Nährwert

Die Antworten sind dabei extrem umfangreich und werden oft mit mathematischen Formeln, Diagrammen und Schaubildern angereichert.

Dies macht das Angebot hauptsächlich für wissenschaftliche Recherchen nützlich.

Für gewisse Suchanfragen ist Wolfram Alpha allerdings (noch) völlig unbrauchbar. Wenn man sich beispielsweise über Produkte, Reiseziele oder Betriebe informieren möchte. Gibt man beispielsweise ein Land oder eine Region ein, werden ausschließlich geographische Infos ausgegeben (Lage, Einwohnerzahl, Zeitzone, aktuelles Wetter, Höhe, usw.).

Die Engine wird natürlich laufend weiterentwickelt. Die Suche nach kommerziellen Produkten (wie z.B. Unterhaltungselektronik) wird momentan erforscht. An der Verbindung ins Web wird ebenfalls gefeilt (um mehr „live” Inhalte einzubinden wie das jetzt im Kleinen schon passiert).

Ich bin neugierig und kann mir durchaus vorstellen, dass Wolfram Alpha mehr ist, als eine Eintagsfliege. Google und Wikipedia sind zwar nicht in Gefahr, aber es gibt definitiv Platz für so ein Angebot! Und die Nutzung ruft eine gewisse Neugierde hervor die Engine auf die Probe zu stellen … gibt es Fragen auf die die Wissensmaschine keine Antwort kennt?

Ja die gibt es. Beim Testen bin ich zufällig auf einen Fehler gestoßen.

… „highest point of Jan Mayen” (das ist eine Insel in der Grönlandsee) ergibt: „769 meters”.

Im „CIA World Factbook” steht allerdings etwas anderes: Haakon VII Toppen/Beerenberg 2,277 m

Wer hat recht? Ich glaube die CIA – sonst wär’s peinlich ;-)

Möge das Testen beginnen! Wer Fehler findet, bitte in den Kommentaren posten.

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Peter Wetzlmaier, am 25.05.09

Kommentare

  1. Salzburg Hotels

    Fehler hab ich schon einige entdeckt, das sei als Anlaufproblem zu verzeihen. Was auch interessant ist: Ein Blick in Weblogs von TourMyCountry.com: 10 Tage, ca. 10,000 Besuche, über 85% Suchmaschinentraffic – KEIN EINZIGER Verweis von Cuil oder Wolfram Alpha. Trifft auch auf andere “Googlekiller” und Nischensuchmaschinen der Vergangenheit zu: A9, 123people, Spock…

    Fazit: Derzeit kein wirklicher Mitbewerber für Google in Sicht.

  2. Salzburg Hotels

    Und hier ist der nächste “Google-Killer”, seit gestern online – persönlich finde ich den derzeit interessanter, als Wolfi: http://topsy.com/

    Basiert auf Social Networking daten. Ergebnisse sind weitgehend sinnlos, aber das Konzept gefällt mir.

  3. David

    Sehr interessanter Beitrag…Danke für alle diese Infos.Tolle Seite.

  4. Die Maschine mit dem “Bing” - Blog - gesagt.getan. Salzburg

    [...] dem Star der Antwortmaschine Wolfram Alpha vor wenigen Wochen (wir berichteten), ist nun Microsoft mit einer “Entscheidungsmaschine” an der [...]

  5. Stephan Weinhold

    Danke nochmal für den Beitrag am Samstag! War super!

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